Resident Evil 4 (GCN)

Spieleinfos
 Boxart (EU) Boxart (US) Boxart (JAP)
Entwickler: Capcom
Publisher: Capcom
ab 18
Spieleranzahl: 1
Genre: Horror

Resident Evil – Ein Spiel mit vorgerenderten Hintergründen, sich steif bewegenden Charaktere und einer Menge Zombies verteilt in einem Herrenhaus, vorzüglich mit zusätzlicher Gartenlaube. Genau dies ist Resident Evil 4 nicht, besser gesagt es ist das exakte Gegenteil dessen. Ohne irgendetwas vorweg greifen zu wollen vage ich direkt einmal zu behaupten, dass Capcom mit dem neuesten Ableger aus dem Survival-Horror Reihe einen nahezu perfekten Titel abliefert, der ohne Übertreibung einer der besten, wenn nicht sogar der absolut beste Gamecube-Titel bisher ist. Wer nun denkt, hier spräche die Übertreibung in Person, der möge sich im folgenden Review eines besseren belehren lassen.

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Spielinhalt: 

Das Spiel ist so verschieden von seinen Vorgängern und doch fängt es an wie jeder Resident Evil Teil – Nach der üblichen Inhaltswarnung werdet ihr zum Titelscreen geführt, welcher im typischen Design der Resident Evil Reihe gehalten ist. Zur Verfügung stehen euch drei Optionen die da wären Neues Spiel, Laden und Optionen. Letztere sind wie üblich zur Einstellung von Sound, Bildschirm und Untertitel-Optionen gedacht. Startet ihr ein neues Spiel werdet ihr mit einem Intro in die Handlung eingeführt. Ihr seht Leon, den Hauptcharakter aus Resident Evil 2 und ebenfalls diesem Teil, wie er von zwei, dem Akzent nach zu urteilen, sowjetischen Beamten in einem Kleinwagen durch einen Wald gefahren wird. Leon ist im Auftrag der Regierung unterwegs um die Tochter des Präsident en der Vereinigten Staaten, Ashley, aus den Händen von Entführern zu befreien. Dabei ist ein Dorf in der Nähe Ziel des Helden. Schließlich ist Endstation für Autos und Leon macht sich zu Fuß auf den Weg. Bald kommt er an einem Haus vorbei in dem er einen Mann nach Ashley zu fragen, doch anstatt eine antwort zu geben greift dieser Mann Leon an, ab hier beginnt euer größter Albtraum...

In Resident Evil 4 kämpft ihr euch erstmals nicht mehr durch Horden von Untoten, sondern erwehrt euch aufgebrachter und äußerst aggressiver Dörfler, die mit Mistgabeln, Handfeuerwaffen und Gewehren Jagd auf euch machen.

Diese Dörfler schlurfen ebenfalls nicht einzeln oder unkoordiniert auf euch zu, vielmehr stellen sie euch Fallen, greifen in großen Gruppen an, sind aber ähnlich widerstandsfähig wie ihre untoten Äquivalente in den Vorgängern. So kann es schon einmal vorkommen, dass euch bis zu 20 aufgebrachte Männer und Frauen angreifen und ihr euch nicht oder kaum gegen sie wehren könnt, da heißt es dann fliehen! Doch verschanzt ihr euch in einem Haus, so seid ihr noch lange nicht sicher vor den Angreifern. Diese brechen durch Fenster in euer Versteck ein oder besorgen sich mal eben eine Leiter, über welche sie von oben ins Haus stürmen. Solltet ihr schnell genug sein, so könnt ihr die Leiter samt der Gegner umwerfen und euch so einige Angreifer vom Hals schaffen, doch die übrigen geben nicht auf! In solch einer Situation helfen dann nur noch gezielte Schüsse in die Köpfe der euch nach dem Leben trachtenden Feinde. Diese verfügen über sehr gut ausgefeilte Trefferzonen am gesamten Körper; schießt ihr einem Gegner in die Schulter weicht dieser nach hinten, macht ihr dies während euer ziel auf einer Brücke oder einem schmalen Grad steht, so kann es sein, dass der gute das Gleichgewicht verliert und in die tiefe stürzt. Diese Tatsache eröffnet euch einige Möglichkeiten des taktischen Spielens, was ihr auch dringend versuchen solltet, da euch sonst durchaus mal die Munition knapp werden könnte. Allerdings muss man fairer Weise zugeben, dass man auch mit Rambomethoden kaum Probleme hat was Munitionsnachschub und Energie angeht, so sind Heilkräuter zu ausreichenden Mengen vorhanden und auch Blei findet ihr häufig genug. Bei soviel zu tragenden Items muss Leon natürlich auch eine größere Tasche als bisher haben. Dies hat Capcom auch beherzigt und dem Spiel ein teilweise neues Itemstore-System gegönnt. Ihr tragt nun eine Tasche, die, wie das Inventar vieler Rollenspiele, in Blöcke aufgeteilt ist. Jeder Gegenstand nimmt eine bestimmte Anzahl Blöcke ein (Pistole 6, Munition 2, etc.). So ist es euch möglich euer Inventar nach Belieben zu füllen und immer für Ordnung darin zu sorgen. Des weiteren könnt ihr euch später im Spiel neben neuen Waffen und Upgrades für diese auch eine größere Tasche kaufen, dies stellt ein weiteres neues Feature des Spiels dar.

An bestimmten Stellen des Spiels trefft ihr auf einen mysteriösen Händler, der euch neue Waffen, Upgrades zu diesen und euren bisherigen Eisen sowie weitere nützliche Gegenstände verkauft. Während eurer Erkundung der Gebiete rund um das Dorf in dem sich Ashley angeblich aufhalten soll werdet ihr auch immer wieder kleine schätze wie Edelsteine, Geld oder Schmuck finden oder den Angreifern abnehmen, diese Beute könnt ihr dann dem Händler anbieten, welcher euch diese gerne abnehmen wird. So erhaltet ihr immer wieder Geld für seine Angebote und habt einen Ansporn mehr die Gegend gründlich zu durchsuchen befinden sich doch so Schätzchen wie Raketenwerfer, Magnum oder Uzi im Repertoire des Händlers. Diese Waffen eignen sich besonders im weiteren Spielverlauf sehr gut dazu eure Lebensenergie stetig über dem kritischen Nullpunkt zu halten, womit wir auch schon bei der nächsten Neuerung wären.

Erstmals wird die Lebensenergie in einem HZD auf dem während des Spielgeschehens angezeigt. Neigt sie sich zuende ist Vorsicht geboten, denn wer stirbt schon gerne? Allerdings könnt ihr euren Energievorrat stetig erweitern, indem ihr grüne mit gelben Kräutern vermischt. Benutzt ihr dieses Gemisch dann zur Heilung, so hat dies einen ähnlichen Effekt wie das Finden eines Herzcontainers bei Zelda.

Solltet ihr nichts desto trotz einmal das zeitliche segnen, sei es durch einen gezielten Schuss aus dem gegnerischen Gewehrlauf oder durch einen heimtückischen Kettensägenangriff einer kochenden Hausfrau, verhält sich das Spiel sehr gnädig zu euch. Ihr werdet nicht einfach zum Ladebildschirm zurückgesetzt und müsst vom letzten Speicherpunkt alles erneut spielen, sondern es wird automatisch ein Quicksave geladen, welche das Spiel nach betreten eines neuen Areals selbstständig anlegt. Überhaupt ist das Speichersystem ebenfalls reformiert worden, ihr benötigt nun keine Farbbänder mehr, welche nur unnötigen Platz im Inventar wegnahmen. Gespeichert wird dennoch an großzügig verteilten Schreibmaschinen, welche sich meisten dort befinden, wo auch der Händler auf euch wartet.

Dies waren nur die wichtigsten Änderungen, wobei die wohl interessanteste noch aussteht, nämlich die Spielzeit. Spielte man an den Vorgängern im Höchstfall 10 bis 12 Stunden, so bringt es Resident Evil 4 auf eine Spielzeit von etwa 20 Spielstunden und motiviert nachher mit höheren Schwierigkeitsgraden tatsächlich dazu noch einmal neu zu beginnen. Mit genügend Können und genügend Verrücktheit steht einem Speedrun sogar nichts im Wege.

 

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Grafik: 

Die Grafik eines Videospiels sollte gut aussehen und dennoch flüssig laufen, genau das trifft auf Resident Evil 4 zu. Trotz einer unglaublich detailreichen Grafik, in der man Blätter an Bäumen einzeln zählen kann oder die Gesichtsregungen der Gegner während derer Attacken sieht, bleibt das Spielgeschehen stets flüssig und verzaubert mit noch viel mehr Effekten. So sieht es einfach nur schaurig gut aus, wenn man bei Nacht und im strömenden regen auf einem Friedhof nach Hinweisen zu Ashleys Verbleiben sucht und man plötzlich von einer Gruppe Gegner mit Fackeln in den Händen gejagt wird. Ebenso genial wie die Lichteffekte sind die Details an den Charakteren gelungen. Leons wie auch Ashleys Haare scheinen alle einzeln animiert zu sein und bewegen sich bei jeder noch so kleinen Regung der beiden. Gleiches trifft auf Ashley rock und ihren Pullover wie auch auf Leons Jacke zu. Für alle männlichen Spieler sei auch noch gesagt, dass Ashley wirklich zum anknabbern aussieht wenn sie hinter einem herrennt und einem teilweise einige tiefere Einblicke in ihre Wäsche gestattet... Dies alles war bisher nur mittels gerenderter Hintergründe möglich, doch Capcom ist es tatsächlich gelungen die Renderoptik in eine echtzeitberechnete Effektshow umzumodeln.

Sound: 

Nicht nur die Grafik ist den Jungs von Capcom vorzüglich gelungen, sondern auch der Sound! Alleine die nervenzerreißende Musikuntermalung gefährlicher Situationen oder die angenehmen ruhigen und entspannenden Klänge im Gebiet eines Speicherpunktes machen den Sound zu einem einzigartigem Erlebnis! Ihr könnt die Dorfbewohner reden hören oder bekommt gleich ihre aufgebrachten spanischen Beleidigungen nebst einer Ladung Blei an den Kopf geschmissen. Aber nicht nur eure Gegner sondern auch ihr könnt sprechen, dies ist zwar nichts neues, sei aber dennoch an dieser Stelle erwähnt, da jedenfalls die amerikanischen Synchronstimmen mehr als perfekt zu den einzelnen Charakteren passen und die Stimmung noch besser unterstreichen um den Spieler immer tiefer ins Geschehen eintauchen zu lassen.

Steuerung: 

Eines der wohl größten und nervigsten Mankos an allen Resident Evil Teilen, jedoch nicht an diesem. Wie vieles andere wurde auch die Steuerung komplett überarbeitet und das mit Erfolg. Zunächst spielt ihr Leon aus einer Verfolgerkamera, was direkt einmal mehr Action ins gesamte Spielgeschehen bringt. Zudem zielt ihr nun selber über Leons Schulter mittels Laserpointer auf eure wehrhaften Ziele und habt durch den Actionbutton A viel mehr Aktionsfreiraum. So drückt ihr wann immer er aufleuchtet A und springt so durch Fenster, weicht aus oder ähnliches. Die neue Freiheit könnt ihr auch nutzen um euch mittels des C-Sticks ein wenig umzusehen bzw. die Kamera ein wenig rotieren. Neu hinzugekommen ist auch das Nachladen auf Knopfdruck, ihr müsst also nicht mehr bis zum bitteren, leeren ende des Magazinstreifens in der Gegend herumzimmern, sondern könnt in sicherer Deckung vorsorglich nachladen und direkt weiter schießen.

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Fazit: 

Capcom hat mit Resident Evil 4 eindeutig einen Volltreffer gelandet und ein völlig neues Spiel aus einem langsam alt werdenden Franchise gemacht. Das Spiel ist sehr schwer in Worte zu fassen, die keine Superlative wie „genial“, „perfekt“ , „unglaublich“ oder ähnliche sind. Ihr dürft euch auf einen Titel freuen, der zum einen alle Fans des Genres und der Reihe als auch alle Gegner der Vorgänger restlos begeistern wird. Ist es bei den meisten Spielen so, dass man sie mag oder hasst, so kann man Resident Evil 4 nur lieben. Eine geniale Grafik, der überwältigende Sound, die dichte Atmosphäre und eine endlich neue Handlung sorgen für ein von Grund auf neues Spielgefühl bei einem Resident Evil.

Schade ist es nur, dass im fertigen PAL-Release zwei Minispiele nicht mehr enthalten sind, die sonst sehr viel Spaß machen. An der Wertung ändert dies jedoch nichts.

Spielverweis: 

Screenshots:

Pro & Contra

+ Steuerung
+ Händler
+ Grafik
+ für Resident Evil lange Spielzeit
+ enormer Replaywert

- PAL Version gekürzt

Wertung

Grafik:

Sound:

Spielspass:
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